Der unbekannte Garten  -  das Vareler Projekt zur Grodenlandschaft

Schaut man auf die Grodenlandschaft zwischen Waplersiel und Petersgroden, so scheint man in eine inszenierte Weite zu blicken. Inszeniert, weil tatsächlich die Grodenflächen von einer überschaubaren Größe sind. Doch der Blick des Betrachters scheint sich durch eine kluge Bepflanzung wie in einem Rahmen zu bewegen, so als könnte es hinter Bäumen und Strauchwerk genauso aussehen. Selbst der Stadtrand von Varel bricht nicht jäh mit Bausiedlungen in dieses Landschaftsbild, sondern verbirgt sich hinter solch einem grünen Band. So gesehen ist der Groden nicht einfach nur eine landwirtschaftliche Nutzfläche, sondern eine Gartenlandschaft von eigener Qualität und Geschichte. Was einmal dem Meer mühsam abgetrotzt wurde, hat in einem Zeitraum von etwa 300 Jahren sukzessiv diese Gestalt gefunden. Mit anderen Worten: Über einen langen Zeitraum ist eine Kulturlandschaft hier gewachsen, die sich entsprechend der natürlichen Möglichkeiten entwickeln konnte und nicht nach dem Plan eines Landschaftsarchitekten. Dieser Sachverhalt ist insofern von Bedeutung, weil immer mehr Menschen in der Region diese Grodenlandschaft als Erholungsraum erleben und nicht als Arbeitsraum. Immer weniger Menschen arbeiten unmittelbar in der Landwirtschaft auf dem Feld, doch die Zahl der Erholungssuchenden steigt von Jahr zu Jahr. Insofern ist ein neuer Blick auf diese ungewöhnliche Landschaft am Jadebusen hilfreich. Vor diesem Hintergrund wird ein offenes Projekt entwickelt, in dem ein neuer Blick auf diesen ungewöhnlichen Landschaftsgarten am Deich vermittelt werden möchte. So jedenfalls sieht es eine Arbeitsgruppe innerhalb der Gemeinschaft des Kunstraums im Zollamt am Vareler Hafen. Für das kommende Jahr wird eine am Thema orientierte Fotoausstellung in Kooperation mit dem Seminarfach Fotografie des Lothar-Meyer-Gymnasium vorbereitet und ein Erzählcafé, in dem die Geschichten vor Ort erzählt und gesammelt werden. Bild- und Filmarbeiten sollen in ein Archiv zusammengeführt werden, und mit dem Vorstand des Heimatvereins wurde auch schon über eine Kooperation verhandelt. Diese Arbeiten sind der Versuch einer ästhetischen Vermittlung der Grodenlandschaft, die dem Blick auf das scheinbar Selbstverständliche eine neue Perspektive geben möchte. Es mag verwundern, doch im Grunde ist es eine schlichte Tatsache, dass der Groden zuvor Wattenmeer war und somit diese Landschaft nicht ohne diesen Zusammenhang verstanden und wertgeschätzt werden kann. Stimmt man dem zu, dann resultiert daraus ein besonderer Anspruch auf Landschaftsschutz. Begreift man diese Landschaft als Garten, so nutzt man ihn im gleichen Maße wie man ihn pflegt. Doch dieses Verständnis muss immer mehr vermittelt werden, je weniger Menschen im Groden unmittelbar arbeiten. Wer aber vor allem Erholung sucht, will einfach schnell diesen Ort erreichen. Neue Straßenführungen, wie man sie plant, gefährden jedoch gerade diese faszinierende Landschaft. So soll über Kunst und Geschichte ein Dialog geführt werden, der für die Besonderheiten und die Zerbrechlichkeit dieser Grodenlandschaft sensibilisieren und einen Raum für den Dialog über diese bisher unerkannte Garten eröffnen könnte.

 

Jede und jeder, der Interesse an diesem Dialog hat, kann beim Kunstraum im Zollamt, am Hafen 1, 26316 Varel weiteres erfahren. Ansprechpartner ist Norbert Ahlers.

 

jetzt hier:

Am Hafen 1

26316 Varel

kunstraum-varel@gmx.de